Nachhaltige Mobilität: Umsteigen braucht Umdenken
Der private und öffentliche Verkehr beansprucht rund 35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs und belastet Mensch und Umwelt. Trotz technologischen Fortschritts und stetiger Verbesserung der Infrastruktur scheint sich daran nichts ändern zu lassen. Oder doch?
Mehr CO2 durch höheren Treibstoffverbrauch
Die Verbrennung fossiler Treibstoffe verursacht rund ein Drittel des gesamten CO2-Ausstosses (ohne internationalen Flugverkehr). Und im Gegensatz zu Brennstoffen nimmt der Treibstoffverbrauch stetig zu: Statt der im CO2-Gesetz festgeschriebenen Emissionsreduktion um 8 Prozent bis 2010 stieg der Anteil von Benzin, Diesel und Flugtreibstoffen am Gesamtenergieverbrauch seit 1990 um 17 Prozent. Ursachen dieser paradoxen Entwicklung sind im Wesentlichen:
- ungebrochen hohe Bedeutung des motorisierten Individualverkehrs: Zwei Drittel der Distanzen werden mit dem Auto zurückgelegt, davon beinahe die Hälfte in der Freizeit.
- Zunahme des Güterverkehrs: Gegenüber 2000 werden rund 15 Prozent mehr Güter auf der Strasse transportiert, seit 2003 sind etwa 5 Prozent mehr schwere Güterfahrzeuge immatrikuliert.
- Effizienzvorgaben für Neuwagen deutlich verfehlt: Der zwischen dem UVEK und „Auto Schweiz“ vereinbarte Durchschnittsverbrauch für Neuwagen von 6,4 l/100 km für 2008 wurde mit 7,14 l eindeutig nicht erreicht. Auch vom durchschnittlichen CO2-Ausstoss von 130g/km, wie ihn die EU bis 2015 für Neuwagen vorsieht, ist man 2008 in der Schweiz (175g; EU: 160g) noch weit entfernt.
Mobilität mit Zukunft
Die A EE will die (auto-)mobile Freiheit der Menschen nicht beschränken. Damit wir aber so mobil bleiben können wie heute, müssen wir unnötige Energieverschwendung und die Belastung von Mensch und Umwelt stoppen. Deshalb setzt sich die A EE für eine nachhaltige Mobilität ein, die folgende Aspekte umfasst:
- verbrauchsarme, energieeffiziente Fahrzeuge
- sparsame Fahrweise, d.h. «Eco-Drive»
- kombinierte Mobilität, die den so genannten Langsamverkehr (zu Fuss, mit dem Velo) gezielt mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto verbindet
- weiterhin konsequente Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene
- emissionsarme, CO2-neutrale Treibstoffe sowie neue Mobilitäts- und Antriebskonzepte
Umsatteln fängt im Kopf an
Kaum ein Thema löst so viele Emotionen aus wie die individuelle Mobilität. Das mag viele Gründe haben. Sicher ist jedoch, dass die Umstellung des individuellen Mobilitätsverhaltens nur durch stetige Sensibilisierung und Aufklärung zu erreichen ist. Gemeinsam mit anderen Organisationen setzt sich die A EE für eine kontinuierliche Information der Öffentlichkeit und Entscheidungsträger und damit für ein Umdenken ein.
Güter auf die Schiene
Die Schweiz ist das Land der Bahnen. Das gilt für Menschen – und für Güter: 64 Prozent aller Waren im alpenquerenden Verkehr werden auf der Schiene transportiert, gegenüber gerade mal 23 Prozent in Frankreich und 27 Prozent in Österreich. Dies ist der Erfolg des konsequenten Eintretens für den Ausbau des Angebotes, der Infrastruktur (Stichwort NEAT) und der gesetzlichen Rahmenbedingungen (Stichwort LSVA). Dass dieser Weg angesichts des prognostizierten massiven Anstiegs des internationalen Warenverkehrs konsequent weiter gegangen wird, bleibt ein zentrales Anliegen einer erneuerbaren und effizienten Energiepolitik.
Grüne Logistik.
Nicht alle Güter können auf allen Strecken mit der Bahn befördert werden. In der Feinverteilung sind LKW nicht zu ersetzen. Mit einer „grünen Logistik“, die durch intelligente Prozesse und moderne Antriebe Ineffizienzen ausschaltet und unvermeidbare Belastungen andernorts kompensiert, wird auch das Transport- und Logistikgewerbe zu einer nachhaltigen Branche.
Erneuerbar fahren.
Welche Antriebskonzepte unsere Zukunft auch prägen werden, sicher ist: Fossil werden sie nicht sein. Eine Alternative bieten schon heute heimische Biotreibstoffe auf Basis von Grün- oder Speiseabfällen, Gülle und Mist vom Bauernhof oder Abwasser. Dabei ist die Rechnung ganz einfach: Mit der Energie aus 1 kg Biomasse fährt ein Auto 1 km CO2-neutral. Dabei bekennt sich die A EE selbstverständlich zu höchsten sozialen und ökologischen Standards, etwa hinsichtlich der Konkurrenz von Biotreibstoffen und Nahrungsmitteln.
Daneben entwickeln sich Elektroantriebe immer mehr von einer belächelten Vision zu ganz realen, marktfähigen Produkten. Besonders spannend für unseren Wirtschafts- und Innovationsstandort: Diese neuen Antriebslösungen werden nicht nur von den grossen Automobilkonzernen, sondern zunehmend von hoch innovativen Unternehmen in der Schweiz entwickelt und vermarktet.
Potenzial einer nachhaltigen Mobilität
Mobilität ist ein wesentliches Element einer freien Gesellschaft, aber auch teuer und belastend für Mensch und Umwelt. Mit einer nachhaltigen Mobilität, die auf erneuerbaren Energien und Energieeffizienz basiert, lassen sich schon heute, erst recht aber in Zukunft enorme Mengen an Energie und Schadstoffemissionen einsparen. So vielfältig die notwendigen Massnahmen sind, so gross sind auch die Wirkungen. Allein mit der Umsetzung des EU-Reduktionsziels für Neuwagen lassen sich 1 Million Tonnen CO2 einsparen. Im selben Masse werden Haushalte, Unternehmen und die Einfuhrbilanz der Schweiz von Energieausgaben entlastet. Jahr für Jahr!
Politik und Wirtschaft
Auch politische Vorgaben konnten bis heute nichts am ungezügelten Energiehunger des Verkehrs ändern. Wir alle sind uns bewusst, dass Mobilität ein Grundbedürfnis ist, das wir nicht beschneiden wollen. Dass dieses Bedürfnis jedoch mit einem Bruchteil der heute dafür aufgewendeten Energie möglich sein muss, ist ein klarer Auftrag an den Gesetzgeber.
Entsprechend setzt sich die A EE für die Formulierung und konsequente Anwendung gesetzlicher Vorgaben für eine nachhaltige Mobilität ein. Auch eine Raumplanung, die eine nachhaltige Mobilität in den Mittelpunkt stellt, ist Teil eines solchen Auftrags. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern macht unsere Volkswirtschaft unabhängig von unzuverlässigen Erzeugerländern, fördert Innovationen und schafft Arbeitsplätze in der Schweiz.



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