Energie aus Biomasse

Grünabfälle aus Gärten und Parks, Küchenabfälle aus Haushalten und der Gastronomie, Gülle und Mist vom Bauernhof oder Abwasser und Faulschlamm aus einer Kläranlage haben eines gemeinsam: Aus ihnen kann erneuerbare Energie gewonnen werden – CO2-neutral und umweltfreundlich.

Pflanzen nehmen Sonnenenergie auf und geben sie als Nahrung an Mensch und Tier weiter. Was nicht verwertet wird, bleibt als Energiequelle vorhanden. Daher enthält organische Biomasse gespeicherte Energie. Mittels verschiedener Prozesse kann mit dieser «feuchten» oder «nassen» Biomasse Wärme, Strom oder Treibstoff erzeugt werden.

Die Schweizerischen Kehrichtverwertungsanlagen (KVA) produzieren über 3% des inländischen Strombedarfs. Die KVA bleiben nach den Wasserkraftwerken die wichtigste Erzeugergruppe für erneuerbaren Strom.

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Technologien zur Gewinnung von Energie aus Biomasse

Strom, Wärme oder Treibstoff aus Biomasse werden durch Verbrennungsprozesse gewonnen. Dazu muss die Biomasse meist vorgängig durch

  • physikalische Prozesse zerkleinert,
  • durch thermochemische Prozesse vergast oder verflüssigt,
  • oder durch biologische Prozesse zu Biogas oder Alkohol fermentiert, d. h. vergärt werden.

Die anaerobe Vergärung ist heute die am meisten verbreitete Technik, um aus nasser Biomasse Strom, Wärme oder Treibstoff zu gewinnen. Dabei wird unter Luftabschluss die Biomasse in einem Fermenter durch Bakterien zu Biogas vergärt. Dieses kann in Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen zu Wärme und Strom umgewandelt oder zur direkten Nutzung ins Gasnetz eingespeist werden.

Biomasse heute

Folgende Anlagentypen produzieren heute Strom aus feuchter Biomasse:

  • in landwirtschaftlichen Biogas-Anlagen werden Hofdünger (Gülle und Mist) zusammen mit weiteren organischen Abfällen verwertet. 2008 wurden auf diese Weise in der Schweiz 7'293 Haushalte mit Strom und 661 Haushalte mit Wärme versorgt. Biogas kann auch direkt ins Gasnetz eingespeist und als Treib- oder Brennstoff genutzt werden.
  • in gewerblich-industriellen Vergärungs-Anlagen, z.B. den Anlagen der Firma Kompogas, die heute ca. 640'000 t des eingesammelten Grüngutes der Schweiz vergären. Daraus konnten 2007 5'018 Haushalte mit Strom und  696 Haushalte mit Wärme versorgt sowie Treibstoff für 20,1 Mio. Auto-Kilometer hergestellt werden.

Auch in Abwasserreinigungs-Anlagen kann mit Wärme-Kraftkopplungs-Anlagen aus Klärgas erneuerbarer Strom produziert werden. Allerdings wird dieser Strom primär für den eigenen Energiebedarf genutzt. Kläranlagen sind zur Verarbeitung gewisser organischer Abfälle zu Strom geeignet. Allerdings kann bei der Verwertung über Kläranlagen der Stoffkreislauf nicht mehr geschlossen werden. Die Nährstoffe in den Substraten gehen verloren.

Das Energie-Potenzial von Biomasse wird in der Schweiz heute nur zu einem Bruchteil genutzt. Immer mehr Energieversorger bieten jedoch ökologischen Strom aus Biomasse an. Auch Gemeinden und Zweckverbände nutzen ihre organischen Abfälle vermehrt zur Produktion von Biogas.

Ebenso wird Biogas zunehmend als Treibstoff aufbereitet und ins Gasnetz eingespeist. Biogas kann in der Schweiz bald flächendeckend getankt werden. 

Keine grosse Rolle werden in der Schweiz in absehbarer Zeit Energie-Pflanzen spielen. Diese werden in anderen Ländern gefördert und eigens zur Energie-Gewinnung angebaut, allerdings zum Teil mit schlechter Ökobilanz.

Das Potenzial von Biomasse

Biomasse ist unter den erneuerbaren Energien der Alleskönner. Die Gewinnung von Strom, Wärme und Treibstoffen im besonderen aus Abfall-Biomasse bietet entscheidende Vorteile:

Die dezentrale Umwandlung von organischen Abfällen zu Energie stärkt die regionale Wertschöpfung und schliesst die Kreisläufe von Stoffen und Energie vor Ort.

Besonders die Verwertung von Abfall-Biomasse erschliesst der Wirtschaft einen neuen Betriebszweig und schafft sichere Arbeitsplätze in der Region. Das grösste Potenzial zur Produktion von erneuerbarer Energie aus Biomasse liegt in der Landwirtschaft.

Politik und Wirtschaft

Die Bundesämter für Energie, Landwirtschaft, Raumentwicklung und Umwelt haben gemeinsam als Grundlage für die zukünftige Energiepolitik des Bundes bezüglich Biomasse eine Strategie erarbeitet. Auch im Programm EnergieSchweiz des Bundesamtes für Energie BFE bildet Biomasse einen Schwerpunkt.

Mit der Kostendeckenden Einspeisvergütung (KEV) fördert der Bund die Energieerzeugung aus Biomasse. Auch viele Kantone und Gemeinden fördern die effiziente Nutzung von Biomasse in der Umgebung.

Die Schaffung weiterer guter politischer und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen zum vollständigen Durchbruch von Biomasse wird notwendig sein.

BiomassEnergie, das Netzwerk Biomasse des nationalen Programms EnergieSchweiz, setzt sich für die Förderung und Entwicklung von Biomasse ein und bietet individuelle Beratung an. Das angeschlossene BiogasForum vereint die Produzenten, Planer und Betreiber von Biogasablagen. Um die Förderung von BioTreibstoffen kümmert sich der Schweizerische Biogas Verband