
Energie aus Wasserkraft
Die Stromproduktion mittels Wasserkraft hat in der Schweiz Tradition: Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird mit dem erneuerbaren Energieträger Wasser Strom erzeugt.
Dank der Topographie und dem Niederschlagsreichtum sind die Bedingungen zur Nutzung von Wasserkraft in der Schweiz ideal. Knapp 60 Prozent des inländischen Stromverbrauchs werden heute mit Wasserkraft aus Stauseen und fliessenden Gewässern gedeckt. Namentlich mit Kleinwasserkraftwerken liesse sich jedoch umweltverträglich mehr Strom produzieren.
Technologie der Wasserkraft
In der Schweiz haben Kleinwasserkraftwerke mit bis zu 10 MW Leistung Tradition. Man unterscheidet drei Typen: Durchlauf-, Ausleit- und Nebennutzungskraftwerke:
Ausleitkraftwerke entnehmen mittels eines Wehrs einem Fliessgewässer Wasser. Über den Oberwasserkanal, das Ausgleichsbecken und die Druckleitung fliesst das Wasser zur Turbine und anschliessend zurück in das Fliessgewässer. Der Flussabschnitt zwischen Entnahme und Rückgabe des Wassers wird als «Restwasserstrecke» bezeichnet.
Durchlaufkraftwerke sind direkt in den Flusslauf gebaut. Durch den Wegfall der Restwasserstrecke entfällt die Restwasserproblematik. Bei dieser Art von Kleinwasserkraftwerken handelt sich nicht um Speicherkraftwerke, da das Wasser laufend turbiniert wird.
Der Hauptzweck von Nebennutzungskraftwerken ist nicht die Energieerzeugung, sondern beispielsweise die Trinkwasserversorgung, Abwasserreinigung, Industrieanlagen oder die Beschneiung. Heute kann auch mit dem Überdruck in Trink- und Abwassersystemen Strom erzeugt werden.
Wasserkraft heute
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren in der Schweiz rund 7'000 Kleinwasserkraftwerke in Betrieb und speisten dezentral Industrieanlagen. Mit der Verfügbarkeit von günstigem Strom aus Grosskraftwerken wurden viele stillgelegt.
Heute werden in der Schweiz über 1'000 Kleinwasserkraftwerke mit einer Leistung von rund 760 MW und einer Produktion von 3'400 GWh pro Jahr betrieben. Dies entspricht knapp 10 Prozent der gesamten Schweizer Stromproduktion aus Wasserkraft.
Das Potenzial von Wasserkraft
Das umweltverträgliche Ausbaupotenzial für grosse Wasserkraftanlagen ist in der Schweiz gering. Bei den Kleinwasserkraftwerken hingegen liegt noch ein grosses Potenzial brach. Es wird auf ca. 3’000 GWh im Jahr geschätzt, was fast 6 Prozent des aktuellen Stromverbrauchs entspricht.
Gerade Kleinwasserkraft ist eine ökonomisch wie auch ökologisch interessante Technologie. Mit verhältnismässig geringem finanziellem Aufwand lässt sich Produktion von bestehenden Anlagen erhöhen und still gelegte Kleinwasserkraftwerke wieder in Betrieb nehmen. Begleitmassnahmen wie Fischtreppen und die Abgabe von Restwasser sorgen dafür, dass das Gewässer ökologisch intakt bleibt.
Politik und Wirtschaft
Die Nutzung von Wasserkraft ist ein wichtiges Bestandteil der Schweizer Energiewirtschaft und hat heute ein Marktvolumen von bis zu 2 Mia. Schweizer Franken.
Mit Wasserkraft wird nicht nur ein grosser Teil des einheimischen Stromverbrauchs gedeckt, sondern Energie aus Kleinwasserkraftwerken kann auch als Strom mit ökologischem Mehrwert gehandelt und verkauft werden.
Mit der Kostendeckenden Einspeisvergütung (KEV) fördert der Bund den Ausbau von Kleinwasserkraftwerken mit einer Leistung von bis zu 10 MW. Auch Kantone und Gemeinden fördern zunehmend dezentrale, umweltverträgliche Kleinanlagen.
Das Programm Kleinwasserkraftwerke fördert im Rahmen des Bundesprogramms EnergieSchweiz die Kleinwasserkraft mit direkten und indirekten Masshnahmen.. Die Branchenverbände Schweizerischer Wasserwirtschaftsverband (SWV) und Interessenverband Schweizerischer Kleinkraftwerk-Besitzer (ISKB/ADUR) setzen sich für die Förderung von nachhaltiger Wasserkraft ein.



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