Energiezukunft ohne Atomkraft
Richtig ist: Die Lage in den japanischen Atomkraftwerken ist zu dramatisch für nüchterne, abschliessende Schlussfolgerungen für die schweizerische Energiepolitik. Richtig ist aber auch, dass die Risiken der Atomkraft jahrzehntelang billigend in Kauf genommen und der notwendige Umbau hin zu einer sicheren, sauberen und erneuerbaren Energieversorgung blockiert wurden. Das unvorstellbare menschliche Leid und die immensen Schäden werden umso weniger erträglich, als Alternativen zur Atomenergie längst vorhanden sind.
Vor diesem Hintergrund begrüsst die A EE den Entscheid von Bundesrätin Doris Leuthard, das Rahmenbewilligungsverfahren für drei neue Atomkraftwerke zu sistieren, und ihren Auftrag an das Bundesamt für Energie BFE, eine Roadmap für eine Energieversorgung ohne nukleare Grosskraftwerke bis 2030 zu entwerfen. Die A EE, als Interessenvertretung der erneuerbaren und effizienten Energiewirt-schaft ist bereit, sich an diesem Prozess aktiv zu beteiligen. Die A EE ist überzeugt, dass es verschiedene gangbare Wege in eine 100% erneuerbare Energiezukunft ohne atomares Restrisiko gibt. Die künftige Versorgungssicherheit braucht ein optimales Zusammengehen von Produktion, Verbrauch und Netze und es braucht vor allem ein klares politisches Bekenntnis, das sechs Anforderungen umfasst:
1) Energieeffizienz ist der Hebel, um Wirtschafts-/Bevölkerungswachstum und Energieverbrauch zu entkoppeln und eine zuverlässige Energieversorgung auf der Basis erneuerbarer Energien zu gewährleisten. Es braucht deshalb ein Energieeffizienzprogramm, das bspw. eine Stärkung der Wärme-Kraft-Koppelung genauso beinhaltet wie auch einen weiteren Ausbau der Energieef-fizienzdienstleistungen und die Implementierung intelligenter Netze und Zähler.
2) Förderliche Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Diese schliessen ausser einer zeitlich begrenzten finanziellen Förderung und einer definitiven Entdeckelung der bereits bestehenden Kostendeckenden Einspeisevergütung KEV die Schaffung eines liberalisierten Energiemarkts, die konsequente Förderung der Energieeffizienz und den raschen Ausbau des Anteils neuer erneuerbarer Energien am Energie-Mix ein. Dazu braucht es Rechts- und Planungssicherheit und eine Beschleunigung des Bewilligungsverfahrens für den Bau erneuerbarer Energieinfrastrukturen.
3) Wechsel von der nationalen zu einer europäischen Energieversorgung. Die A EE unterstützt die Forderung von Swisspower, den Schweizer Stadtwerken einen diskriminierungsfreien Zugang zum europäischen Strommarkt zu eröffnen sowie die erforderlichen Transportkapazitäten für die grenzüberschreitende Versorgung der Schweiz mit Strom aus erneuerbaren Quellen zu schaffen.
4) Erneuerung der Netzinfrastruktur. Das Schweizer Übertragungsnetz ist überaltert und läuft an der Belastungsgrenze. Neue Technologien machen es leistungsfähiger, effizienter und flexibler. Der konsequente Ausbau des Übertragungsnetzes in der Schweiz ist eine Voraussetzung für die Integration erneuerbarer Energien in den Strom-Mix.
5) Nutzung der Pumpspeicherkraftwerke als saubere „Batterie“. Die Schweiz ist bereits heute eine wichtige Stromdrehscheibe. Wegen ihrer bevorzugten Lage im Herzen Europas kann sie künftig eine noch wichtigere Rolle einnehmen. Pumpspeicherkraftwerke dürfen in Zukunft aber einzig dazu eingesetzt werden, um die stochastisch anfallende Energieproduktion aus erneuerbaren Energien zu regulieren.
6) Stimulierung des Kapitalmarkts für erneuerbare Energien. Auf dem Kapitalmarkt sind Voraussetzungen zu schaffen, um die Finanzierung der erforderlichen Infrastrukturen auf viele Schultern zu verteilen. So muss auch neuen Investoren, wie z. B. Pensionskassen, ein Engagement in erneuerbaren Energieanlagen ermöglicht werden, um für heutige und künftige Generationen nicht nur angemessene Renditen zu erwirtschaften, sondern auch eine saubere und sichere Energieversorgung zu gewährleisten.
Laden Sie das vollständige Positionspapier zu einer "Energiezukunft ohne Atomkraft" herunter (PDF)



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